Wenn man bei Diebstahl taktisch unklug reagiert…

Drei Kunden, alle ein Kopf größer als ich, zwei gut gebaut und besonders freundlich sahen die auch nicht aus. Was war weg? Eine Packung 5 Gum. Das Resultat waren drei aggressive Kunden, wovon einer mich beleidigt und vor allem bedroht hat „mich auseinander zu nehmen“, mein Herz war am rasen. Am Ende wurde einer in Handschellen von der Polizei abgeführt und die anderen beiden sind im Auto weg. Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen?

Ich fange mal von vorne an… 20:30 Samstag abends.

Eine Kassiererin kommt mir entgegen und teilt mir mit, dass eine auffällige Gruppe von 3 Personen hier ist. Einer hätte sich ein „5Gum“ (Kaugummipackung!) genommen und er spielt damit in der Hand noch herum. Meine Kollegin hat mir das Kaugummi gezeigt, welches fehlt und die Gruppe hat sie mir auch gezeigt. Die Gruppe war nur bei der Getränkekühlung und dort lag nichts. Ich bin hinter der Hauptkassiererin gewesen mit dem Kaugummi. Ich hab die Gruppe angeschaut und hatte das Kaugummi sichtbar in den Händen und hab dann absichtlich weg geschaut in der Hoffnung, dass diese die Situation begreifen und das Kaugummi wieder freiwillig auf das Band legen. Es ist nichts passiert. Ich bin zu der Gruppe hin und habe gesagt „Ihr habt eben diese 5Gum-Packung eben genommen. Wo ist das?“. Ich wollt nur, dass es bezahlt wird, mehr nicht.

20:35… aus dem nichts wurde es richtig laut „Ich leer vor dir doch nicht meine Taschen!“ „Du unterstellst zu klauen!“ „Ruf die Polizei!“ „Ich mach Strafanzeige gegen dich!“ „vor allen Leuten hier!“ 3 Leute, die lautstark wurden. Damit hab ich nicht gerechnet. Ich habe lediglich gesagt, dass ein 5Gum genommen wurde und ich möchte lediglich wissen, wo das ist. Darauf hab ich entgegnet, dass ich die Polizei rufen werde.

20:40 hab ich die Polizei angerufen. Zur gleichen Zeit ist einer der Beteiligten draußen gewesen (ca. 3 Minuten), ist dann munter wieder in den Markt und zur Toilette. Ich habe die 3 Personen bewusst nicht in das Büro gebracht. Ich musst mir dann anhören, was für ein „Wic..“, „Arschl…“ ich bin, „Fi.. dich.“, „Ich hab das gar nicht nötig. Ich hab mehr Geld, als du jemals verdienen wirst!“, „Ich folge dir bis nach ….“, „Ich nehme dich ausereinander“. Dann ist er auf mich zugekommen und ich hab Distanz gewahrt und nur entgegnet „Das ist nicht böse gemeint. Mir hat nur wer mitgeteilt, dass Sie ein 5Gum hatten.“ Sie wollten wissen, wer das ist. Das hab ich denen natürlich nicht erzählt. Ich war mit der Situation überfordert und vor allem hat ich keine Chance gegen drei Leute von der Statur überhaupt auszurichten.

20:50 Die Situation wurde mir zu heikel. Damit sich die Personen etwas beruhigen, habe ich von der Stelle entfernt und entschieden, dass ich mein Team (1 Mann, 3 Frauen) zusammenrufe und auf die Polizei verzichte und unabhängig von allem der Gruppe Hausverbot erteile. In der Gruppe gab es einen, der besonders aggressiv war und auch ständig mich beleidigt und bedroht hat. Dieser hat sinngemäß (Beleidigungen und Bedrohungen zwischen den Satzteilen sind für das verbesserte Textverständnis entfernt) „Nichts Hausverbot. Ich komm hier weiter einkaufen. Beweis das erstmal. Ich geh hier nicht weg. Ruf die Polizei, wir warten, bis die kommt.“ Ich wollte die Leute nur noch aus dem Markt haben, aber ich wußte, dass die Polizei noch mindestens 20 Minuten brauchen wird.

21:00 Ich habe die Situation telefonisch mit meinem Partnerkaufmann abgeklärt. Ich bin im Büro geblieben und habe die Gruppe beobachtet. Diese haben sich bei der Bäckerei aufgehalten und haben telefoniert und hatten wohl ihren Spaß bei der Situation – ich weniger.

Um 21:05 haben die dann wohl gemerkt, dass Überwachungskameras im Markt vorhanden ist. Dann konnte ich nur noch einen auf der Kamera sehen. Einer war vor dem Eingang der Getränkeabteilung und der Dritte ist durch den kompletten Markt mit Handy am telefonieren gewesen. Ich vermute, dass er mich gesucht hat. Glücklicherweise ist die Polizei zum selben Zeitpunkt dann eingetroffen und direkt zum Büro. Ich habe die Situation kurz geschildert und mein Anliegen geschildert, dass ich unabhängig vom Diebstahl in Absprache mit dem Inhaber ein lebenslanges Hausverbot (inkl. Parkplatz) erteile und im Falle, dass dies gebrochen wird, Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet wird. Auch habe ich der Polizei gesagt, dass ich vor 10 Minuten Hausverbot erteilt hab, aber die Gruppe sich nicht fortbewegt hat.

21:10… Die Polizisten waren sehr freundlich, haben die Ruhe bewahrt und haben die Personen aufgefordert aus dem Markt zu gehen. Die Person, die die ganze Zeit schon aus der Gruppe herausgestochen ist, wollte nicht gehen und vorort Strafanzeige gegen mich erstatten. Ich hab aus dem Hintergrund nochmal verdeutlicht, dass er ab sofort ein lebenslanges Hausverbot hat. Die Polizei stand vor mir. Dann ist er aus dem nichts aufgestanden und entgegnete, dass ich hier nichts zu sagen hätte und ich ihm nicht Hausverbot geben könne, er hätte nichts geklaut. Die Polizei hat ihn aufgefordert sich wieder hinzusetzen und hat die Rechtslage ihm versucht zu erklären.  Die Polizei entgegnete, dass er das gerne tun kann, aber nicht hier. Sie sollen jetzt mit raus kommen. Dieser Aufforderung ist er nicht nachgekommen und wurde in Handschellen mit nach draußen genommen. Die anderen Beiden sind freiwillig daraufhin mitgekommen.

21:15 Endlich sind diese Leute aus dem Markt draußen. Einer wurde in Handschellen mit auf die Wache genommen. Die anderen beiden, die sich weitestgehend zurückgehalten haben, sind mit dem Auto weggefahren.

Auf dem Parkplatz wurden die Personalien aufgenommen, die mir nun bekannt sind.

Und das alles wegen einem 5Gum. Versuch keinen alleine hochzunehmen, dem du im Ernstfall nicht ebenbürtig bist (auch nicht mit „Hilfsmitteln“). Das war mir eine Lehre. Wäre es nur einer gewesen, okay. Mit zwei Leuten kommt man vielleicht auch noch klar, aber drei Leute dieser Statur und Aggressivität an einem Samstag Abend, die wahrscheinlich noch alkoholisiert waren, waren einfach zu viel.

Das mach ich nie wieder.

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3 Responses to “Wenn man bei Diebstahl taktisch unklug reagiert…”

  1. vielleicht hätte eine art „zusätzliche sicherheit“ wie pfefferspray o.ä. ihr gefühl ein stückchen verbessern können?
    ich fände es unglaublich schade, würde diebstahl bei ihnen nun wirklich durchgehen aufgrund einschüchterung…ich vermute so etwas wie „dort klaut sich gut“ spricht sich ja auch herum…

    • Zusätzliche Sicherheit ist vorhanden, aber sowas setzt man wirklich nur im Ernstfall ein. Ja, ich denke auch, dass sich sowas rumspricht, aber ich rate trotzdem den Einzelfall abzuwägen und zu schauen, wie man verfährt. Ich habe es in diesem Fall eben taktisch unklug gelöst. Man kann nachträglich immer noch Strafanzeige erstatten oder warten, bis man personell besser ausgestattet ist und auf das nächste Mal warten. Wer einmal klaut, versucht es wieder. Irgendwann fliegt es immer auf. Das dauert mal ein Tag, mal etwas länger…

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