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September 15, 2013

Stufen der Intervention im Seminar

Trotz bekannter „Spielregeln“ sind Störungen, Seitengespräche und Handys „Alltagsprobleme“ von Trainern in Seminaren… Wie reagiert man auf so was? Ich wurde von einem Teilnehmer gefragt, ob ich das Handy wegnehme. Das mache ich nicht. Ich bin nicht im Kindergarten, sondern bei einem Seminar. Das Handy ist Eigentum der Teilnehmer. Die Teilnehmer sind alt genug und eigenverantwortlich, müssen aber mit den Konsequenzen ihres Handeln rechnen.

Wie geht man jetzt konkret vor, wenn es im Seminar nicht so läuft wie geplant?

Stufen der Intervention

1. Stufe: Bauen Sie gezielten Blickkontakt zum Teilnehmer auf bis Sie „wahrgenommen“ werden.

2. Stufe: Gehen Sie auf die Person zu., ggf. zielgerichtet. Behalten Sie aber min. 1 m Distanz ein.

3. Stufe: Binden Sie den Teilnehmer in den aktuellen Sachverhalt ein.

4. Stufe: Zeigen Sie Verständnis für das Verhalten der Teilnehmern, sagen Sie aber auch den Teilnehmern, wie Sie die Situation aus Ihrer Perspektive gerade sehen.

5. Stufe: Führen Sie danach ein Einzel- bzw. Gruppengespräch. Ziehen Sie danach einen „gestrichelten“ Strich drunter. Versuchen Sie nicht die gesamte Gruppe gegen sich zu bringen. Sie werden den Kürzeren ziehen.

6. Stufe: Ermahnen Sie den Teilnehmer und zeigen Sie Konsequenzen auf. Seien Sie dabei „entschieden“.

7. Stufe: Konsequenzen erfordern aber auch Standhaftigkeit. Seien Sie konsequent. Das kann der Entzug von Privilegien, der Ausschluss vom Seminar, Gespräch mit Vorgesetzten, Seminarbeurteilung, … sein.

Intervention in der Praxis

Gerade zu Beginn der neuen Tätigkeit war ich der Ansicht, dass ich alles zu jeder Zeit unter Kontrolle haben muss. Das heißt, ich unterbinde jede Störung sofort und konsequent. Ich habe bei der Intervention in der 6. Stufe angefangen und Teilnehmer in der Gruppe ermahnt und Konsequenzen aufgezeigt. Das war keine gute Basis für das „Klima“ während des Seminares. Mir selber erging es auch nicht gut dabei. Ich habe mich nicht wohl gefühlt. Problematisch wurde es zu dem, wenn trotz bekannter Konsequenzen sich das Verhalten der Teilnehmer nicht gebessert hat. Nun war man eigentlich schon bei der Stufe, dass man die Konsequenzen umsetzen muss. Setzt man die Konsequenzen nicht um, ist man nicht glaubwürdig.

Im Laufe der Zeit habe ich es „langsamer“ angehen lassen. Ich habe mit der nonverbalen Intervention angefangen, nur ein Blick, ein Zugehen auf die Person… das haben die Teilnehmer registriert und ihr Verhalten angepasst. Im Seminar sagte eine Teilnehmerin zu mir „Ich habe das Handy schon weggelegt.“ Ich sagte ihr „Ich habe nichts gesagt.6“ und Sie antwortete „… aber Sie haben so geguckt.“, AHA! Es wurde also wahrgenommen. 🙂

Wenn es immer noch nicht passt, binde ich die Teilnehmer in das Seminar noch mehr individuell ein. Das reicht in der Praxis i.d.R. schon aus. „step-by-step“ ist seitdem meine Devise. Die Seminare haben nach wie vor einige Störungen, aber das ist auch gut so. Srungen entstehen nicht ohne Grund, sondern es besteht noch Bedarf zur Klärung. Diese Störungen kann man mit „Kundenbeschwerden“ vergleichen. Sehen Sie die Störungen mehr als Chance und weniger als Zeitfresser. Ich empfinde „Störungen“ wesentlich angenehmer als „Stille“. Auf Störungen kann man eingehen, auf Stille ist es schwieriger.

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