Abschriften und Verluste im Markt

Abschriften werden die Verluste im Einzelhandel genannt, die den Rohertrag schmälern. Abschriften sind damit nicht zu verwechseln mit Abschreibungen, die im Rechnungswesen die Wertminderungen in Anlage- und Umlaufvermögen erfassen.

Verluste sind Inventurdifferenzen. Die meisten Verluste, die erkannt und steuerbar sind, entstehen durch Verderb (Ablaufen von MHD oder Verbrauchsdatum), ein kleinerer Teil entsteht durch Bruch (Ware zerbricht oder ist nicht mehr verkaufsfähig). Ich möchte Ihnen im nachfolgendem Schema einen Überblick geben, welche Auswirkung Verluste auf den Rohertrag haben.

Netto-Umsatz
./. Wareneinsatz (das kostet die Ware im Einkauf)
= Rohertrag (soviel bleibt erstmal übrig)
./. Inventurdifferenzen (unerklärt und erklärt, u.a. Verluste durch Verderb/Bruch)
= korrigierter Rohertrag (i.d.R. etwa 25%)

Aus dem korrigiertem Rohertrag von 25% muss der Händler sein Personal und die Sachkosten (Miete, Instandhaltung, Material, …) bezahlen. Deshalb sollte es das Ziel sein als Händler vermeidbare Verluste weitergehend zu vermeiden. Je weniger Rohertrag, desto weniger hat der Händler, um sein Personal zu bezahlen oder in den Laden zu investieren. Ein Teufelskreis.

Verluste sollten im Lebensmitteleinzelhandel auf den gesamten Umsatz 1 – 1,5% nicht übersteigen. Verluste sind in den Frischebereichen (Obst und Gemüse, Gekühlte Frische) verständlicherweise höher als im Trockensortiment (z.B. Konserven, Schokolade oder Tiefkühlware). Hier sollten die Verluste auch nicht zu weit „eingespart“ werden, um auch die Verfügbarkeit und Sortimentstiefe (besondere Artikel, wie z.B. Exoten, Veganes Sortiment oder Laktosefreie Milch) sicherzustellen.

Verluste können vermieden werden durch z.B.:

  • Bedarfsgerechte Bestellung (Die richtige Menge an Ware zum richtigen Zeitpunkt)
  • Saisonzeiträume berücksichtigen (Fisch und Lachs zu Weihnachten und Ostern)
  • Neue Ware hinter der alten Ware platzieren (first-in-first-out)
  • Verlustartikel erfassen (z.B. 77 x Kopfsalat, 23 x Joghurt xy im Januar)
  • Verlustartikel monatlich prüfen, Ursachen analysieren (zu viel bestellt? zu spät reduziert? keine Nachfrage bei diesem Artikel? Gibt es Alternativen?)
  • Sortimente an Kundenstruktur anpassen (Durchschnittsalter, Einkommensstruktur, Essgewohnheiten, Land/Stadt)
  • Reduzierung der Artikel (nach 9. GWB-Novelle erlaubt bei drohendem Verderb oder Unverkäuflichkeit)

 

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