Kassendifferenz – wer gleicht aus?

Kassendifferenzen können sich sowohl in negativer wie auch in positiver Form niederschlagen.

Bei der ersten Form fehlen dem Unternehmen Einnahmen, die als Aufwand gebucht werden müssen. Bei einer positiven Kassendifferenz hat das Unternehmen mehr Einnahmen, die als sonstiger Ertrag gebucht werden müssen. Die positive Kassendifferenz ist nicht so erfreulich, wie einige Mitarbeiter denken. Kunden haben weniger Geld zurück erhalten, als ihnen zusteht.  Je nach Höhe der Differenz, ist es mehr als ärgerlich aus Kundensicht.  Die Konsequenz ist im schlimmsten Fall der Kundenverlust und eine negative Reputation des Marktes, die vielleicht höher ist als die anfängliche Differenz.

Wer gleicht die Kassendifferenzen aus? Wenn zu wenig Geld in der Kasse ist, muss die Differenz durch den Kassierer bezahlt werden? Einige Kassenkräfte fühlen sich ungerechtfertigt behandelt, wenn sie für negative Differenzen den Fehlbetrag ausgleichen müssen und bei positiven Kassendifferenzen den Betrag nicht behalten oder die positive Kassendifferenz nicht verrechnet wird.

Die Aufgabe des Kassierers besteht darin, die Waren ordnungsgemäß zu kassieren,  den angezeigten Summenbetrag entgegenzunehmen und das Wechselgeld korrekt herauszugeben. Wenn man die positive Kassendifferenz mit der negativen verrechnen würde, könnten Mitarbeiter auf die Idee kommen positive Differenzen entstehen zu lassen. Deshalb sind beide Arten von Differenzen schlecht und so ein Fehlverhalten sollte nicht provoziert werden.

Wer hat die Differenz aus arbeitsrechtlicher Sicht auszugleichen?

§ 280
Schadensersatz wegen Pflichtverletzung

(1) Verletzt der Schuldner eine Pflicht aus dem Schuldverhältnis, so kann der Gläubiger Ersatz des hierdurch entstehenden Schadens verlangen. Dies gilt nicht, wenn der Schuldner die Pflichtverletzung nicht zu vertreten hat.

(2) Schadensersatz wegen Verzögerung der Leistung kann der Gläubiger nur unter der zusätzlichen Voraussetzung des § 286 verlangen.

(3) Schadensersatz statt der Leistung kann der Gläubiger nur unter den zusätzlichen Voraussetzungen des § 281, des § 282 oder des § 283 verlangen.

Quelle: BGB § 280 Schadensersatz wegen Pflichtverletzung

Aus arbeitsrechtlicher Sicht hat der Kassierer eine Pflichtverletzung zu vertreten. Entsteht die Kassendifferenz also nicht vorsätzlich oder fahrlässig, haftet der Kassierer nicht für die Differenz. Im Arbeitsrecht wird zwischen leichter, mittlerer und grober Fahrlässigkeit unterschieden. Bei leichter Fahrlässigkeit übernimmt der Arbeitnehmer keine Haftung, bei mittlerer je nach Berücksichtigung der Situation und bei grober Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmer für den ganzen Schaden. Inwiefern sich das nun auf Fehlbestände in der Kasse übertragen, und als Fahrlässigkeit einstufen lässt, ist Ansichtssache.

Deshalb ist eine klare Regelung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer unerlässlich. Diese kann in verschiedenen Ausformungen auftreten, wie z.B. durch eine Mankoregelung. Im Einzelhandel ist es üblich, dass der Kassierer pro Stunde 10 – 20 Cent zusätzlich erhält für das Risiko die Haftung für Fehlbestände in der Kasse zu übernehmen. Für den Arbeitgeber ist ein Zuschuss in Höhe von 16€ für Fehlbeträge in der Kasse sogar steuerfrei.1

Eine weitere Alternative ist es, Fehlbeträge bis zu einem gewissem Betrag, z.B. 5,00€ zu „tolerieren“ und Beträge, die diese Summe übersteigen müssen aus eigener Tasche ausgeglichen werden. Allerdings hat der Kassierer nur selten die Pflichtverletzung zu vertreten, so dass der Arbeitgeber oft die Kassendifferenz dennoch zu übernehmen hat. Bei regelmäßigen Differenzen sollten diese protokolliert werden. Das schafft Verbindlichkeit und ist Grundlage für personelle Maßnahmen.

Fazit: Weder für den Mitarbeiter noch für den Vorgesetzten ist die Kassendifferenz angenehm. In den meisten Fällen hat der Arbeitgeber die Kassendifferenz zu übernehmen. Die Ursache für die Kassendifferenz sollte ermittelt und abgestellt werden. Das ist die nachhaltigste Lösung für beide Seiten.

 

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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jurastudent sagt:

    Wobei man erwähnen sollte, dass der Arbeitgeber so eine Pflichtverletzung zu beweisen hat. Beim Umgang mit Bargeld sollte man immer eine leichte Fahrlässigkeit annehmen können, außer der Arbeitgeber legt Beweise vor, die auf etwas anderes schließen lassen.

    Ergo: Grundsätzlich haftet der Arbeitgeber und nicht der Arbeitnehmer.

    1. Lebensmitteleinzelhandel.com sagt:

      Da stimme ich voll und ganz zu. Leider wird in der Praxis größtenteils anders mit vor allem größeren Kassendifferenzen umgegangen. Das Problem ist, dass die Arbeitnehmer von sich aus schon die Differenzen begleichen wollen, um nicht in irgendeinen „Verdacht“ zu geraten.

  2. Nurije Berisha sagt:

    Also seit ich in einer firma arbeite wo die kassen immer 00 sein sollten ist es für mich sehr ärgerlich..ich hatte immer geld dazu getan um nicht zum verdacht zu kommen. Der druck immer 00 zu haben ist für mich einfach immer schwerer..

    .

    1. Lebensmitteleinzelhandel.com sagt:

      Hallo,

      was meinen Sie damit, dass Sie Geld dazu getan haben? Das kann es ja eigentlich auch nicht sein…

      Freundliche Grüße

  3. Lomka sagt:

    Hallo,
    Ich hätte eine Frage 🙂
    Ich arbeute bei mcdonalds.
    Seit ein paar tage verlangen sie von uns, dass die Kassenbediener – 0 Differenz in der Kasse haben! Auch wenn nur ein Cent fehlen sollte, müssen wir es zahlen! Die Schichtleiter müssen seinerseits die Kassen wechseln wenn wir Pause haben; das machen aie aber nicht immer und wenn sie dies nicht tuen, teilen Sie den Fehlbetrag mit uns…
    Dazu bekommen wir fast Mindestlohn 8,51 pro Stunde, also bekommen wir kein Mankogeld oder so…
    Ich finde, dass das alles sehr ungerecht ist!
    Gibt es irgendeine Erklärung dafür, oder stimmt meine Version und verarschen sie uns????

    1. Lebensmitteleinzelhandel.com sagt:

      Hallo,

      das hat nicht seine Richtigkeit. Außerdem erhalten Sie weniger als den Mindestlohn, wenn der Fehlbetrag noch ausgeglichen wird. Das hört sich alles sehr grenzwertig an.

  4. Ute sagt:

    Hallo , ich arbeite in einem etwas größeren Supermarkt (145 Mitarbeiter) und bin im Betriebsrat .
    …. Wie ist das eigentlich, bei uns sind die Kassiere nicht dabei,wenn die Kasse abgerechnet wird uns zählen auch nicht wenn sie die Kasse übernehmen. Sind sie bei Differenzen haftbar zu machen?

  5. Lebensmitteleinzelhandel.com sagt:

    Hallo,

    grundsätzlich sollen die Kassierer bei Ihrer Kassenabrechnung dabei sein. Wieso übernehmen die Kassierer einen unbekannten Kassenbestand und sind bei der Kassenabrechnung nicht dabei?

    Ich bin kein Jurist, aber wie kann ich jemanden haftbar machen, bei dem ich den Fehler nicht ausschließen kann? Da ist sowohl am Anfang als auch am Ende der Tätigkeit eine „Lücke“, bei dem die Differenz entstehen kann.

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