E-Commerce – die Zukunft?

Niedrige Preise, geringere Handelsspannen, größtenteils kurzhaltbare Produkte, Kühlketten und hohe Qualitäts- und Hygienevorschriften – im Lebensmitteleinzelhandel existiert eine besondere Konstellation, die sich von anderen Branchen unterscheidet und in dieser Form das Fortschreiten der Lebensmittelbranche im E-Commerce erheblich einschränkt.

Im stationären Lebensmitteleinzelhandel liegt der Schwerpunkt bei der Selbstbedienung der Produkte. Die Mitarbeiter verräumen die Ware und präsentieren diese angemessen, die Kunde räumt diese selber in den Warenkorb und wird an der Kasse abgehalten. Beim E-Commerce muss die Bestellung elektronisch abgewickelt werden, der Zahlungseingang überprüft werden, die bestellte Ware muss durch einen Mitarbeiter zusammengestellt werden und sachgerecht verpackt werden (ggf. mit „Trockeneis“ und Express-Versand) und anschließend noch versandt werden. Bei kleinen Bestellmengen entstehen erhebliche Personal- und Sachkosten, die an den Verbraucher weitergegeben werden müssen. So geschieht es auch bei „Lebensmittel.de“ (ehemals doit24.de). Die Preispolitik von „Lebensmittel.de“ geschieht kostenorientiert. Deshalb können Online-Shops mit dem Schwerpunkt Lebensmittel nicht an den stationären Handel reichen oder diesen gar ersetzen. Dafür sind die Preise zu hoch.

Dennoch sollte bedacht werden, dass bei der Ausweitung des stationären Handels auf den Online-Handel bei ausreichendem Absatzpotential es möglich ist, den Umsatz zu erhöhen, die Fixkosten zu reduzieren, und die vorhandenen Ressourcen (Ware, Mitarbeiter) vollständig auszuschöpfen. Mit Ausschöpfung ist weniger vergrößerter Leistungsdruck auf die Mitarbeiter gemeint, sondern viel mehr die Lücken beim Leerlaufzeiten effektiv zu nutzen.

Als Online-Händler bin ich im Internet auf der ganzen Welt global erreichbar. Mein Absatzpotential erhöht sich dadurch erheblich. Allerdings steht der globalen Erreichbarkeit eine große Informationsflut im Internet gegenüber. Man ist als Online-Händler einer von vielen, bei Lebensmitteln existieren eher wenige Händler. Den Faktor „Kosten“ hab ich oben schon erläutert. Dieser Faktor ist sowohl aus Händler- als auch aus der Endkonsumentensicht nachteilig. Die Qualitätskontrolle von frischen Artikeln (Obst, Gemüse und Fleisch) ist für den Kunden im Online-Shop nicht möglich. Weiterhin wird der Kunde kritisch, ob die Ware auch sachgerecht (-> Kühltemperatur, unbeschädigt)  bei ihm ankommt. Die unmittelbare Beratung ist eher ausgeschlossen. Zuletzt kommen noch Versandkosten zum Einkauf und die Lieferzeit erstreckt sich über 1 – 3 Tage. Möchte man als Kunde so eine lange Wartezeit überhaupt hinnehmen? Im Supermarkt kauft der Konsument die Ware direkt und ist auch sicher die Ware zu erhalten, im Internet stehen Konsumenten dem kritischer gegenüber aufgrund vieler Betrugsfälle. Somit fehlt die Akzeptanz des E-Commerce. Großer Vorteil aus Kundensicht ist die übersichtliche Darstellung des Sortiments und die Zeitersparnis zum Einkaufen.

Zusammenfassend sehe ich dem Online-Handel mit Lebensmitteln als wirkliche Alternative oder gar Konkurrenz für den stationären Lebensmitteleinzelhandel sehr kritisch entgegen. Der Supermarkt auf E-Commerce-Basis wird Probleme haben, seine Kosten zu decken. Das Marktvolumen ist zu klein ( ältere Menschen ohne Mobilität, Bequemlichkeit, Außenseiter, Geschäftsleute)! Und für die Kunden ist E-Commerce im LEH auch noch nicht ausreichend ausgereift.

Dennoch sehe ich Potential den Lebensmitteleinzelhandel auf den Absatzkanal des E-Commerce auszuweiten. Nach PORTER gibt es drei Basisstrategien, dass ein Unternehmen verfolgen kann. Kostenführerschaft kann aus den oben genannten Gründen ausgeschlossen werden. Es besteht aber die Möglichkeit im Lebensmitteleinzelhandel im E-Commerce über die Differenzierungsstrategie sich von Konkurrenten abzuheben und Sortimente mit Schwerpunkten (Nischen) anzubieten: z.B. „American Food“, „Feinkost“, „Ausländische Produkte“, „Weine aus aller Welt“. Das Sortiment muss aus Kundensicht möglichst exklusiv, ansprechend, qualitativ hochwertig und darf dann auch mittel bis hochpreisig sein. Beispiele für solche Shops sind gourmondo.de, americancandy.de, gustini.de.

Weitere Informationen und Online-Supermärkte im Vergleich finden Sie hier.

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