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Februar 16, 2011

Restware verarbeiten – Nutzenmaximierung durch langfristige Schulung

Teilaufgaben der Lagerhaltung sind die Sicherung- und Ausgleichsfunktion.

Die Verkaufsbereitschaft wird gesichert durch Ware im Reservelager (z.B. Aktionsware, zu wenig Liefertage, Lieferschwierigkeiten, …). Mindestbestellmengen und zu großere Verkaufseinheiten können bei zu kleiner Verkaufsfläche dazu führen, dass die Ware durch das Reserverlager „ausgeglichen“ werden muss. Diese beiden Funktionen dienen somit auch der Gewinnmaximierung und Kundenzufriedenheit. Werden diese Funktionen aber unnötig „missbraucht“, führt das zu Unmengen an Restware im Reservelager. Wird die Bestellung „manuell“ durchgeführt, sollte das Bestellsystem des Mitarbeiters überprüft werden.

Das Warenwirtschaftssystem (WWS im Folgenden genannt) sorgt unter anderem dafür, dass bedarfsgerecht bestellt wird. Ein paar Rollies Restware sind völlig normal. Restware lässt sich vor allem zu zu Weihnachten (erhöhter Bedarf) und Sommer (vor allem Getränke) nicht vermeiden. Für stark frequentierte City-Märkte bleibt Restware obligarotisch, um out-of-stocks zu vermeiden.

Allerdings haben viele Märkte mit zu außergewöhnlichen Mengen an „unnötiger“ Restware zu kämpfen. Diese Annahme wird durch vermehrte Klicks zu Suchanfragen, wie man Restware verarbeitet, bestätigt.

Wie soll die Restware verarbeitet werden?

Es sollte sich mindestens 1 Tag in der Woche mit den Resten beschäftigt werden. Bei uns sind Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag Fuhrentag. Deshalb bietet sich bei uns Dienstag wunderbar an.

Um einen Überblick sich verschaffen zu können, hilft es die Ware auf den Rollies nach Warengruppen und Zugriffshäufigkeit zu ordnen.

Der Großteil der Ware lässt sich problemlos ordentlich verräumen. Unfähige und unwillige Mitarbeiter neigen dazu, Ware nicht einzuräumen, weil der Aufwand zu groß wäre. Sehen Sie diesen Umstand nicht negativ, wie gerne Mitarbeiter Reklamationen aufnehmen, sondern eher als Hinweis den „Ablauf“ zu verbessern.

Das kann an dem Umstand liegen, dass der Mindestbestand weit über dem Reservebestand liegt. Der Reservebestand wird im WWS festgelegt. Diesen Bestand möchte das System mindestens als Reserve, um die Verkaufsbereitschaft zu sichern. Der Mindestbestand stellt dar, wieviel Sie als Reserve über den geplantem Absatz mindestens haben möchten.

Beispiel: Muss im Winter ein Mindestbestand von 20 bei einem schwachem Wasser-Artikel sein, um einen out-of-stock zu 99% zu vermeiden?

Nun räumen Sie Ware nach und bemerken, dass das Regal leer ist. Das System hat korrekt bedarfsgerecht bestellt. Das Problem ist allerdings, dass der Artikel einen zu geringen Stellplatz hat.

Beispiel: Das Preiseinstiegsgetränk hat nur einen Stellplatz. Es wird Montag eingeräumt, viel Ware verschwindet im Reservelager. Kurz darauf ist es im Regal wieder leer und die Ware kann nicht verkaufen werden. Der Kunde ist unzufrieden, das Image wird geschädigt. Es wäre sinnvoller, den Stellplatz zu erweitern.

Der Bestand stimmt, alles in Ordnung, nur passt die Ware nicht in das Regal. Es ist eine übermäßig große Menge noch vorhanden, weil in der Aktion zu viel bestellt wurde oder bewusst zu viel bestellt wurde.

Beispiel: Happy-Day-Säfte sind in Aktion. Es wurden aufgrund des out-of-stocks bei der letzten Aktion vorsichtshalber eine Verkaufsheit mehr bestellt. Leider war der Abverkauf nicht wie erhofft. Im Reservelager sind 12 Einheiten Happy-Day-Säfte vorzufinden. Man nehme einen neutralen Display-Untergrund und präsentiere die Ware in Dreieckform spitzzulaufend die Säfte im Kassenbereich. Zum einem konnte der Aktionseinkaufspreis ausgenutzt werden und zum anderem sind Zusatzverkäufe durch Impulse entstanden.

Eine US-Quizshow lässt Computer gegen Mensch antreten. Im Moment steht es noch „Unentschieden“. 2 Kann das WWS mit seinem automatischem Bestellsystem Mitarbeiter ersetzen? Wäre der Ablauf vollautomatisiert, schon eher. So wird es nicht funktionieren. ZAM unterstützt uns, aber ersetzen kann es uns noch nicht. Dafür kann so ein Computersystem die fehlenden Parameter und vielfältigen Einflussfaktoren nicht annäherend so gut bearbeiten wie unser menschliches Gehirn, dass anders als das WWS „lernt“.

Solang wir mit unseren „menschlichen Fehlern“ am Tagesgeschäft beteiligt sind, bedarf das Bestellsystem eine intensive Pflege. Das System bestellt zwar bedarfsgerecht nach SOLL-Beständen, aber wie hoch die Bestände in Wirklichkeit sind (IST-Bestände), kann das System nicht wissen. Dafür sind wir Menschen da. Zu hohe Bestände müssen überprüft werden.

Beispiel 1: Bei der Kommissionierung gehen die Kommisionierer nach Lagerplätzen vor. Was auf dem Lagerplatz liegt, wird mitgenommen. Da kann schon mal was falsches liegen. Vertauscher (Vulkanius Medium statt Classic) führen zu zu hohen Beständen beim falschen Artikel und out-of-stock bei anderen Artikeln. Der Wareneingang wird fälschlicherweise bestätigt. Die Ware landet im Reservelager. Wenn der Bestand durch Mitarbeiter nicht korrigiert wird, wird fälschlicherweise immer ein zu hoher Bestand vorhanden sein.

Beispiel 2: Durch einen Aussendienstmitarbeiter wird als Ausgleich für abgelaufene Ware und andere Aktionen Vergütungen natural in Form von 1 Display Milka-Tafelschokolade erstattet. Der Bestand muss zugebucht werden. Fehlende Zubuchung des Bestandes führt dazu, dass das WWS von einem niedrigerem Bestand ausgeht und Milka Tafelschokolade weiter bestellt, obwohl genug Ware schon da ist.

Hinweis: Wird der Bestand nicht über die „Bestandskorrektur“ gebucht, entsteht ein Inventurplus. Ziel ist es aber nicht ein Inventurplus zu haben oder Verluste „unsichtbar“ zu machen, sondern die richtige Inventur. Die fehlende Zubuchung verfälscht das Ergebnis.

Was hat der Markt davon?

Gerne arbeiten Mitarbeiter „schnell“ die Restware durch und kommen mit etwa genau der gleichen Menge an Ware wieder, die auch noch unsortiert auf dem Rolli fast runterfällt, wieder, aber das ist betriebswirtschaftlich sinnlos. Es wird nicht weniger Restware, wenn die Ursachen nicht erkannt wurden und die Ware sinnlos „gepackt“ wird. Wird die Restware langfristig richtig verarbeitet, verbessern sich Lagerkennzahlen. Weniger Restware führt zu sinkenden Lagerkosten. Kurzfristig wird es mehr Aufwand sein, aber langfristig müssen sich die Mitarbeiter durch das Ordnungssystem und vernünftige Bearbeiten der Restware weniger damit beschäftigen. Der Nutzen erhöht sich wesentlich. Mitarbeiter müssen über die Ursachen geschult werden, um langfristige Lösungsansätze zu finden.

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