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Februar 16, 2011

Kassendifferenz – wer gleicht aus?

Kassendifferenz können sowohl negativ als auch positiv auftreten. Bei der ersteren Form fehlen der Firma Einnahmen, die als Aufwand gebucht werden müssen und bei der zweiten Form hat die Firma mehr Einnahmen, die als sonstiger Ertrag gebucht werden. Die zweite Form ist allerdings für die Firma nicht so erfreulich, wie einige Mitarbeiter denken. Irgendein Kunde hat unrechtmäßig zu wenig Geld bekommen. Der Kunde wird sauer sein und das Geschäft in der Zukunft vermeiden. „Der Supermarkt xyz gibt absichtlich zu wenig Geld raus!“ wird schnell rumgesprochen. Wie Sie sehen, sind beide Arten von Kassendifferenzen schlecht. Doch wer gleicht die Kassendifferenz aus? Wenn zu wenig Geld in der Kasse ist, müssen Sie das bezahlen? Fühlen sich ungerechtfertigt behandelt, weil Sie für negative Differenzen den Fehlbetrag ausgleichen müssen und bei positiven Kassendifferenzen den Betrag nicht behalten dürfen oder die positive Kassendifferenz nicht verrechnet wird? Wenn dem so ist, sollten Sie nicht weiterlesen.

Die Aufgabe des Kassierers besteht darin, die Waren ordnungsgemäßig abzukassieren und den angezeigten Summenbetrag entgegenzunehmen und das Wechselgeld korrekt rauszugeben. Wenn Sie zu wenig Wechselgeld rausgeben, ist das genauso ein Mangel, wie wenn Sie zu viel Wechselgeld rausgeben. Wenn man die positive Kassendifferenz mit der negativen verrechnen würde, könnten Mitarbeiter auf die Idee kommen positive Differenzen entstehen zu lassen. Deshalb sind beide Arten von Differenzen schlecht.

Wer hat die Differenz aus arbeitsrechtlicher Sicht auszugleichen?

§ 280
Schadensersatz wegen Pflichtverletzung

(1) Verletzt der Schuldner eine Pflicht aus dem Schuldverhältnis, so kann der Gläubiger Ersatz des hierdurch entstehenden Schadens verlangen. Dies gilt nicht, wenn der Schuldner die Pflichtverletzung nicht zu vertreten hat.

(2) Schadensersatz wegen Verzögerung der Leistung kann der Gläubiger nur unter der zusätzlichen Voraussetzung des § 286 verlangen.

(3) Schadensersatz statt der Leistung kann der Gläubiger nur unter den zusätzlichen Voraussetzungen des § 281, des § 282 oder des § 283 verlangen.

Quelle: http://dejure.org/gesetze/BGB/280.html

Aus arbeitsrechtlicher Sicht hat der Kassierer eine Pflichtverletzung zu vertreten. Entsteht die Kassendifferenz also nicht vorsätzlich oder fahrlässig, haftet der Kassierer nicht für die Differenz. Im Arbeitsrecht wird zwischen leichter, mittlerer und grober Fahrlässigkeit unterschieden. Bei leichter Fahrlässigkeit übernimmt der Arbeitnehmer keine Haftung, bei mittlerer je nach Berücksichtigung der Situation und bei grober Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmer für den ganzen Schaden. Inwiefern sich das nun auf Fehlbestände in der Kasse projektieren lässt und die Fahrlässigkeit einstufen lässt, ist relative Ansichtssache. Recht haben und Recht bekommen sind zwei paar Schuhe.

Deshalb ist eine Mankoregelung unerlässlich. Diese kann in verschiedenen Ausformungen auftreten. Im Einzelhandel ist es üblich, dass der Kassierer pro Stunde 10 – 20 Cent zusätzlich erhält für das Risiko die Haftung für Fehlbestände in der Kasse zu übernehmen. Bis 16€ ist der Zuschuss für Fehlbeträge in der Kasse sogar steuerfrei.1 Die zweite Alternative ist es, Fehlbeträge bis zu einem gewissem Betrag, z.B. 3€ (bei 8 Stunden Kasseneinsatz) zu „tolerieren“ und Beträge über diese Summe müssen aus eigener Tasche ausgeglichen werden.